Interview mit Marc Legras

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Marc Legras (42) ist sozusagen der personifizierte Rugby Club Regensburg: 2000 war er an der Gründung des Vereins maßgeblich beteiligt, etablierte die raue Sportart in der Region und feierte sowohl als Spieler als auch Coach die bayerische Meisterschaft. Am Samstag stand Legras nach vier Jahren zum letzten Mal als Trainer am Seitenrand, seine Spieler schenkten ihm einen 31:29-Sieg gegen München zum Abschied. Im Interview mit der MZ zieht Legras Bilanz seiner erfolgreichen Laufbahn beim RCR, spricht über seine große Rugby-Leidenschaft und erklärt seine Pläne für die Zukunft. 
Herr Legras, wie schwer ist es Ihnen am Samstag gefallen, zum letzten Mal als Coach für Regensburg aktiv zu sein?
Legras: Es war schon sehr schmerzhaft, der Trainerjob hier hat so viel Spaß gemacht. Ich habe lange überlegt, was die richtige Entscheidung ist. Aber ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es vernünftiger ist, etwas anderes zu machen.
Die Meisterschaft wurde in diesem Jahr verpasst. Die Spieler haben Sie dennoch nach dem Spiel auf ihren Schultern über den Platz getragen und gefeiert. 
Legras: Ja, das war schon sehr emotional, aber auch unerwartet. Weil man das normalerweise macht, wenn man etwas Großes gewinnt (lacht). Aber ich wollte am Ende jeden meiner Spieler umarmen. Ich liebe diese Jungs, es war eine sehr enge, aggressive und anstrengende Beziehung und die habe ich immer völlig ausgelebt.
Welche Beweggründe haben letztlich den Ausschlag gegeben das Traineramt niederzulegen?
Legras: Es sind zwei Dinge, die mich vor allem dazu bewegt haben. Einerseits sind vier Jahre in diesem Amt einfach Maximum. Ein anderer Trainer bringt neue Ideen und dadurch eine neue Führungsart und Fortschritt. Das ist es, was die Jungs jetzt brauchen.
Und der zweite Grund? Bleiben Sie dem Club denn in einer neuen Funktion erhalten?
Legras: Ich habe in den letzten Jahren geschaut, was im Verein passiert. Unser Vorstand um Tobias Hammerl, Gregor Weber und Nicolas Nozeran ist Gold wert und macht eine hervorragende und motivierte Arbeit. Sie sind enorm wichtig, aber haben wenig Zeit und brauchen jemand, der ihnen unter die Arme greift. Es gibt keine direkten Titel für meine neue Aufgabe. Eine Mischung aus Organisator und Sekretär, ich wache über viele Dinge, überlege, plane und will Sponsoren gewinnen. Es geht darum, dass sich der Verein weiterentwickelt.
Macht es Sie stolz, dass der Rugbysport in Regensburg auch dank Ihrer Arbeit und Erfolge populärer geworden ist?
Legras: Ja, nicht unbedingt auf persönlicher Ebene, aber ich finde es toll, dass Rugby in der Stadt bekannt ist. Wir haben immer mehr Zuschauer, auch viele Leute, die ich vorher noch nie gesehen habe.
Was macht Rugby für Sie so besonders?
Legras: Es ist die Schule des Lebens. Es ist der Sport, der mein Leben gerettet hat. In der Schule habe ich Mobbing erfahren, mein Vater schickte mich daraufhin zum Rugby. Ich wurde selbstbewusster und seitdem hat mir nie jemand etwas angetan. Man fordert Respekt und gibt Respekt. Rugby vermittelt Opfergabe, Unterstützung und Kollektiv. Allein schaffst du es nicht, du brauchst deine Kumpels und deren Vertrauen. Zudem werden Disziplin und Intelligenz gefördert. Viele sagen, dass wir uns nur kloppen würden – aber das tun wir mit System bei einem komplizierten Regelbuch. Rugby ist auch für das Gehirn eine Superübung, besser als Sudoku (lacht)
Was war der schönste Erfolg in Ihrer Regensburger Laufbahn?
Legras: Als wir die erste Meisterschaft geholt haben, spielten wir am letzten Spieltag gegen den großen Konkurrenten Nürnberg. Wir führten bis kurz vor Schluss und dann haben Nicolas Nozeran und ich den letzten Ball vom Gegner geklaut und ins Aus gekickt. Dieser Augenblick, wo ich mit meinem guten Freund diese entscheidende Aktion geschafft habe, das war der größte Moment meiner Karriere.
Und was bringt die Zukunft? Welche konkreten Pläne haben Sie?
Legras: Der Verein und ich haben größeres vor, man darf gespannt sein. Aber das braucht Zeit und Geld und muss erst noch genau geplant sein. Wir brauchen Sponsoren und müssen dafür viel kommunizieren. Ich persönlich will das Frauenteam aufbauen, die älteren Spieler regelmäßig zum Spielen versammeln und das Touch Rugby in Regensburg etablieren. Alle, denen das normale Rugby zu hart ist, sind dazu herzlich eingeladen, denn bei dieser Art sind mehr spielerische Elemente gefragt und weniger blaue Flecken die Folge.